Zachor - Erinnere dich!

Gedenktag für Edith Stein am 9. August
"Am 14. Juli 1942 wurden in Amsterdam ca. 700 Juden bei Razzien verhaftet. Damit wollten die Nazibesatzer Druck auf den holländischen Judenrat ausüben, innerhalb einer Woche 4000 Juden für die Deportation in deutsche Arbeitslager zu bestimmen. Drei Tage zuvor (am 11. Juli) hatten zehn verschiedene Kirchen ein Telegramm zur Abwehr der Judenvertreibungen an die deutsche Besatzungsmacht gesandt: die Vertreibungsverordnung dürfe nicht durchgeführt werden. Am 20. Juli 1942 gab die holländische katholische Bischofskonferenz einen Hirtenbrief heraus, der am 26. Juli in allen katholischen Kirchen vorzulesen sei. Dieses Schreiben war in der ersten Julihälfte erfaßt und verbessert worden. Der Hirtenbrief sollte, ebenso wie das Telegramm, auch die Unterschrift der Evangelischen Kirchen tragen." (Clemens Thoma)
Den Hirtenbrief der katholischen Bischöfe und das ökumenische Telegramm vom 20. Juli 1942 und das Schreiben der „Hervormde Synode" vom 11. Juli 1942 in deutscher Übersetzung und die Kommentierung von Clemens Thoma finden Sie im Freiburger Rundbrief bzw. hier. (pdf-datei: 3.7MB!)
Folge des kirchlichen Einspruchs war die Verhaftung von 744 "katholischen Juden" Hollands am 2. August, die Deportation nach Auschwitz und die Ermordung u.a. auch von Edith Stein und ihrer Schwester Rosa. Das Martyrologium der Edith-Stein-Gesellschaft dokumentiert weitere "katholische Juden", welche am 7. August in einem Zug der Deutschen Reichsbahn in den "Osten" transportiert und in den Gaskammern von Auschwitz ermordet wurden. Der Lagerkommandant des Durchgangslagers Westerbork in Holland, Erich Deppner, der damals den Abtransport befehligte, machte nach dem Krieg beim Deutschen Nachrichtendienst Karriere. Spuren der Edith Stein können sie verfolgen im Internet unter der homepage des Karmel in Echt und der deutschen Edith-Stein-Gesellschaft mit weiterführenden Links.

Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar
Vortrag mit Bildpräsentation von Dr. Reinhold Then

1. Zachor - Erinnere dich! Ansprache von Bundespräsident Roman Herzig zur Einführung des Gedenktags
2. Zachor - Erinnere dich! anhand von Kunstobjekten aus Yad vaShem, Holocaustmuseum in Jerusalem, Israel
3. Zachor - Erinnere dich! anhand des Walter Benjamin-Memorials von Dani Karawan in Portbou (Spanien)

4. Links und Literatur

Fotos vom Autor

Hier einige Auszüge des Vortrags:

1. Zachor - Erinnere dich! Programmatische Ansprache von Bundespräsident Roman Herzog zur Einführung des Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag (19.01.1996):

Auszug: "...Warum vor allem unser Wille, die Erinnerung lebendig zu halten? Wäre nicht auch der Wunsch verständlich, Gewesenes zu vergessen, die Wunden vernarben und die Toten ruhen zu lassen? Tatsächlich könnte heute das Vergessen eintreten; denn Zeitzeugen sterben, und immer weniger Opfer können das Grauen des Erlittenen persönlich weitertragen. Geschichte verblasst schnell, wenn sie nicht Teil des eigenen Erlebens war.
Deshalb geht es darum, aus der Erinnerung immer wieder lebendige Zukunft werden zu lassen. Wir wollen nicht unser Entsetzen konservieren. Wir wollen Lehren ziehen, die auch künftigen Generationen Orientierung sind...."


2. Zachor - Erinnere dich! anhand von Kunstobjekten aus Yad vaShem, Holocaustmuseum in Jerusalem, Israel.

Was Worte nicht fassen können, vermögen Zeichen, Bilder und Kunst erahnen.


Waggon aus Auschwitz, Yad vaShem, Jerusalem, Israel
Im Hintergrund, Ein Karim


Plan des neuen Museumsgebäudes in Yad vaShem, Jerusalem, Israel


Yad vaShem, Jerusalem, Israel

3. Zachor - Erinnere dich! anhand des Walter Benjamin-Memorials von Dani Karawan in Portbou (Spanien)

"Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht."
(Walter Benjamin)

Portbou befindet sich an der französisch-spanischen Grenze. Es ist der Übergang, den Flüchtlinge aus Spanien nach Frankreich während des Franco Regimes benutzt haben und europäische Juden von Frankreich nach Spanien. Walter Benjamins Flucht aus Deutschland nach Frankreich führte ihn und eine kleine Flüchtlingsgruppe bis an diese Stelle. Die Umstände des Übergangs nach Spanien versetzten ihn in solche Ängste, dass er hier Hand an sich legte.
Dani Karawans 1994 geschaffene Monument verdeutlicht in genialer Weise die Flucht und die Enge, die ins Meer, in die Freiheit und ins Nichts führt.


Walter Benjamin Memorial von Dani Karawan in Portbou, Spanien
Vor dem katholischen Friedhof befindet sich das Memorial, im Friedhof der Grabstein
















4. Links und Literatur
4.1 Links

4.1.1 Yad vaShem
Die Homepage des Museums

http://www.yadvashem.org/

Tal der zerstörten Gemeinden (the vally of the comunities)

Hintergrund: http://www.yadvashem.org/exhibitions/valley/home_valley.html)

Die deutsche Seite des Holocaustmuseums Yad va Shem
http://www.yad-vashem.de/home.html

4.1.2 Walter Benjamin
Internationale Walter Benjamin Gesellschaft
http://www.iwbg.uni-duesseldorf.de/

Eine Reisbuch nach Portbou
http://www.erft.de/schulen/abtei-gym/benjamin/inhalt.htm


4.2 Literatur

Auschwitz. Geschichte und Gedenken, Gesprächskreis "Juden und Christen" beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken, Stuttgart 2002, Kath. Bibelwerk

Yosef Hayim Yerushalmi, Zachor: Erinnere Dich! Jüdische Geschichte und jüdisches Gedächtnis, Berlin 1982/1996, Wagenbach

Dani Karavan, Hommage an Walter Benjamn. Der Gedenkort ‚Passagen’ on Portbou. Deutsch/Englisch von Dani Karavan, Ingid Scheurmann und Konrad Scheurmann, 2001

Christoph Münz, Der Welt ein Gedächtnis geben. Geschichtstheologisches Denken im Judentum nach Auschwitz, Gütersloh 2.1996, Kaiser

Salomon Korn, Geteilte Erinnerung, Berlin 1999, Philo

4.3 Gedenkbuch des Bundesarchivs. [Namen der] Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 - 1945