Rätselsammlung 6

Gedichte von Friedrich Haug. Teil IV: Räthsel, Charaden gleichzeitig Logogryphen, Stuttgart 1840
Versuchen Sie zunächst selbst die Rätsel zu lösen. Die Auflösungen finden sich hier.

5
Zweysylbig stellt - o schwach und grau,
Versunken in Kalamität -
Ein Hoherpriester sich zur Schau:
Dreysylbig ist es ein Prophet,
Viersylbig eine holde Frau,
Voll Mutterlieb' und Pietät.
Wißt ihr, was in der Bibel steht,
So kennt ihr alle drey genau.


17
Du sahst mich an Schuhen und Zangen und Flöten;
Doch bin ich nur Schiffen und Vögeln vonnöthen.
Dreh Zeichen hinweg, und du trägst mich an dir;
Nur sprichst du nicht gern in Gesellschaft von mir.
Ein Zeichen hinweg, und der frömmste der Todten,
Der Erste, wird blutend zur Schau dir geboten.
Ein Zeichen hinweg, und die Herzen empört
Ein Götze, der schwelgende Priester genährt.


35
Ein Gott im grauen Altherthum;
(Noch mästet hie und da sich einer seiner Pfaffen,)
Ein Feldherr neuer Zeit von großem Ruhm,
Doch Blutdurft schändet die Glorie seiner Waffen,
Die Schlange, welche ohne Grausen
Die Freunde guter Bissen schmausen;
Ein schwächliches Gebirg; ein halbes Dutzend Flüsse
Von Frankreichs Küsten bis nach Curland hin,
(Und dennoch zähl ich nur vier Füße)
Vereinen sich in mir,- nun rathe wer ich bin?


66
Ich, Schauspieldichter, ich, ein Philosoph,
Schweb' auch, ein Genius, in bessern Welten,
Und, macht den Schönen ihr den Hof,
So findet ihr auf Erden mich nicht selten.
Doch setzet kaum ein Zeichen ihr voran,
So werd ich Theolog und Grobian.


73
Wer hätte wohl mit mir, der ohne Hymen
Und Mitgift wunderbar Getrauten, sich
Der gleichen langen Descendenz zu rühmen?
Von hinten ist's ein Römergruß für dich.


80
Als das Erste Himmelslicht ergoß
In das Zwehte, welches schwer und bang
Die Gemüther einst umschlang-
Jedes kindlich reine Herz erschloß
Da sich ungetrübter Freude,
Und genas von feinem Leide.
So verschwindet jetzt noch Trauer
Aus dem wonnetrunknen Herzen,
Wenn das frohe Licht von tausend Herzen
Strahlet durch des Ganzen düstre Schauer.


93
Mit meiner Gattin kam ich auf die Welt;
Ihr dank'ich Alles, Glück und Ehre,
Und ohne sie hätt ich kein Geld;
Allein, trotz mancher Bitt'und Lehre,
Verschwend'ich, was sie hat, und störe
Durch meinen Unfug ihre Ruh.
Gewiß wird sie mich überleben,
Und, weiß sie mir zu widerstreben,
Zu besser'm Wohlstand sich erheben.
Doch war sie mir zu viel ergeben,
Fällt ihr der Loose schlimmstes zu.
Soll unser Bündniß wahr uns frommen,
Muß Oberherr sie ganz allein,
Und ich ihr treuer Diener seyn.
Bin ich zum Regiment gekommen,
(Was leider größtentheils geschieht)
Und treibe kühnlich und vollende,
Was früher muthig sie mißrieth,
So nimms fürwahr ein böses Ende.
Wenn ungebeten nun das oberste Gericht
Den Spruch der Ehescheidung spricht,
Darf ich zur Mutter wiederkehren,
Die gern und stille mich empfahl;
Allein die Arme wird ihr Vater streng verhören,
Ob sie gehorchte seinem Rath,
Ob, schwach, nur meinem Willen that.
Im ersten Falle nimmt er freundlich
Die Erbin in sein großes Haus;
Im zweyten aber spricht er feindlich
Enterbung und Verbannung aus.


52
Mein Erstes trennt und sondert allemal.
Mein Zweyt'und Drittes ist ein großer Saal.
Zum Schmerz des Vaters auf dem Thron
Mein Ganzes ein verlorner Sohn.


211
Um mir ein höh'res Daseyn zu gewinnen,
kehr ich in meiner Mutter Schooß zurück;
Doch kann ich mit des Daseyns Augenblick
Nie der Gefangenheit entrinnen.
Bald hänge schuldlos ich am Strick,
Dann laß ich, heftig angefallen,
Der Unschuld Töne laut erschallen.
Auf meinen Ruf eilt Mancher wohl herbey,
Voll frommen Drangs, doch keiner macht mich frey.


247
In der Verklärten,
Göttlich Verehrten
Findest ein Wunder du.
Wird ein Zeichen verdrungen
Und das Ganze gesungen,
hörst du mit Wonne zu.


259
Ich galt in ältern Zeiten wenig,
Bestrafte die Verbrecher hart
Und peinigte den besten König;
Allein seit diesem Gräuel ward
Die halbe Welt mir unterthänig.


274
Wer spricht:
Kein Grab- mein Körper deckt mich.
Wenn ihr mich liebt, so leckt mich?